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Übersicht
Das flüchtige
Steppentier Pferd, der Vorfahre unserer Pferde, war nicht dafür gebaut,
Gewichte zu tragen. Der Mensch fand im Laufe der Zeit heraus, wie er das
inzwischen zum Haustier gewordene Pferd für seine Bedürfnisse und
Zwecke am besten abrichten und einsetzen konnte. Später wurden, wie
allgemein bekannt, spezialisierte Rassen für die verschiedenen
Einsatzgebiete gezüchtet, z. B. auch Zelter (Tölter). Trotzdem sind auch
in unseren Tagen junge Pferde nicht die geborenen Tragtiere, sondern sie
müssen dazu entwickelt, d.h. ausgebildet werden, ohne Schaden, Lasten
tragen zu können. Eine wesentliche Voraussetzung hierzu ist das labile
Gleichgewicht, in welchem sich das Pferd unter der Last des Reiters
befinden sollte.
Doch
beginnen wir am Anfang -
beim Jungpferd auf der Weide. Da sehen wir grasende Pferde,
welche langsam vorwärtsgehen, nur von ihrem Geruchsinn und ihrem
Fresstrieb geleitet, ganz aus dem Gleichgewicht, ihr ganzes Gewicht fast
nur mit den Vordergliedmassen tragend. Nächste Szene: Kopf und Hals
fliegen hoch, feurige Blicke in die Runde, als wollte man fragen:
"Gibt es hier noch bedeutsamere Pferde als ich?" Das Gesicht
verteilt sich in dieser stolzen Haltung auf Vor- und Hinterhand, das labile Gleichgewicht stellt sich ein. Es meldet sich ein
Artgenosse, der die obige Frage beantwortet: "ja, nämlich
mich!" Da steigt der Erste, der Zweite ebenfalls, und sie krachen
gegeneinander. Auch da sind sie wiederum ganz aus dem Gleichgewicht und
nur von der Hinterhand getragen. Wenn wir nun die anschließende Rauferei und die daraus entstehenden wilden Galopps, Stops, Gangwechsel,
sowie Pirouetten, Lançaden und Croupaden beobachten, so sehen wir, dass
das Gleichgewicht des Pferdes in den verschiedensten Bewegungsabläufen
dauernd gewonnen und wieder verloren wird, d.h. es ist nicht statisch,
sondern labil.
Wir
können daraus ableiten, dass bei der Ausbildung des jungen Pferdes an
der Hand und später beim Anreiten, das Bestreben des Ausbilders dahin
gehen sollte, das Pferd möglichst bald, immer wieder ins Gleichgewicht
zu bringen. Parallel dazu muss sich auch die Rücken- und
Bauchmuskulatur des jungen Pferdes entwickeln, denn hier wirkt das
Gewicht des Reiters zuerst ein. Der Rücken kann schmerzen und die
Koordination der Hinter- und Vordergliedmassen ist im lateralen Ablauf
anfänglich oft gestört. Das Pferd sucht unter der Einwirkung des
Reitergewichts ein neues, gemeinsames Gleichgewicht (beim Einsatz eines
Bozals besonders gut zu beobachten). Je besser es durch die
vorhergehende Ausbildung dazu befähigt ist, die tragende Hinterhand
einzusetzen, um so schneller findet es das neue Gleichgewicht. Wir dürfen
also vom jungen Pferd am Anfang nicht zuviel erwarten, und sollten es
immer nur kurzfristig belasten und ihm auch immer wieder Ruhepausen gönnen,
damit es das Gelernte assimilieren und seine Muskeln auf der Weide
wieder lockern kann. Das tönt eigentlich ganz einfach
- es braucht aber Geduld und Einfühlungsvermögen und ein
gewisses Verständnis für mechanische Zusammenhänge.
Es
gibt keine im natürlichen Gleichgewicht geborene Pferde, die sich, auch
ohne entsprechende Ausbildung und dadurch aufgebaute Muskulatur, selbst
tragen. Es gibt vor allem keine Pasos, welche locker und schwungvoll tölten,
stolz aufgerichtet und vom Reiter mit leichter Hand und lockerem Zügel
im eleganten "Paso Llano" geritten werden können,
ohne sorgfältig darauf vorbereitet zu sein.
Unser
Ausbildungsziel, der Grund, warum wir uns ein Pasopferd kaufen, ist doch
den brillantesten Tölter zu besitzen, einen der "auf den
Zehenspitzen geht", ein Pasopferd, welches diesen gewissen "Snap"
bei der Vorwärtsbewegung zeigt und seinen Reiter stolz, auch durch
schwieriges Gelände trägt. Das alles leistet aber auch der "beste
Paso" nur, wenn er im Gleichgewicht ist, und der Reiter dieses
gemeinsame Gleichgewicht möglichst nicht, oder nur kurzfristig stört
und so sein Pferd optimal und pferdegerecht bewegt. Dann stellt sich der
Eindruck ein, man sitze in seinem
Pferd und bilde eine harmonische Einheit. Ist dies nicht ein Ziel, für
welches man als echte Reiterin oder Reiter alle Mühen und Kosten auf
sich nimmt, um es zu erreichen?
Alois
C. Tschümperlin
Es
gibt zum Thema "Reiter und Pferd im Gleichgewicht" ein
technisch interessantes Buch von Rittmeister Gregor v. Romaskan (Müller
Verlag, Rüschlikon), welches die Gleichgewichtsprobleme leicht verständlich
darstellt! Für jeden Reiter lesenswert!
Die Zucht von töltenden Pferden - geschichtliche Hintergründe
Bis vor zirka 40 Jahren, das heißt
seit der Renaissance der Tölter in
Westeuropa, war die Zucht von Töltern kein Thema für die Pferdefreunde unserer
Breitengrade. Man hatte zwar im Geschichtsunterricht von "den schlohweißen
Zeltern" gelesen, auf welchen Prinzessinnen oder kirchliche Würdenträger zu
Hochzeiten bzw. Konzilien ritten.
Auf meine Frage, was Zelter seien, bekam ich von meinem damaligen Lehrer die
Antwort: "Meistens weiße, besonders folgsame Pferde, die längst ausgestorben
sind!" Damit war der Begriff klassiert und man kümmerte sich nicht mehr darum. Wenn
man sich nun Gedanken über das Thema "Zucht von töltenden Pferden" machen
will, so muss man zuerst einen Blick in die Vergangenheit tun, in die Zeit, als die Zelter
zum Alltag gehörten.

Blick in die Vergangenheit
Wenn jemand im finsteren Mittelalter reisen wollte oder musste, hatte er
zwei Möglichkeiten: entweder zu Fuß oder zu Pferd. Begüterte Reisende ritten
"Zelter", die damals auf dem europäischen Kontinent überall mit dem örtlichen
Zuchtmaterial nach sehr individuellen Vorstellungen gezüchtet wurden. Im damaligen
Frankreich zum Beispiel, gab es so viele Typen von "bildet d'allures" (kleines
Reitpferd mit verschiedenen Gängen), wie es Feudalherren gab: jeder züchtete mit dem,
was an Passgängern (meistens bretonische oder normannische Palfrois bzw. Haquenés) zur
Verfügung stand, oder was man sonst wie habhaft machen konnte, z.B. töltende Ponys von
beiden Seiten der Pyrenäen. Reisepferde, die Zelter, waren ein kostbares Gut, begehrt von
Freund und Feind. Nach dem Jahr 1000 nach Christus, d.h. zirka 300 Jahre nach dem ersten
Maureneinfall in Iberien, begann die Blütezeit der iberischen Tölter, der Tieldones.
Thieldon war die Bezeichnung der Römer für edle, vorwiegend iberische Tölter (von
thieldo, thiall, Zelte, telt, Tölt). Töltende Ponys aus Nordiberien (Asturcones,
Galiceños, Garanos, Sorraias) und die eleganteren Jacas, gekreuzt mit töltenden Berbern
und südiberischen Pferden, bildeten das Zuchtmaterial der Tieldones, wie wir sie von
Wandbehängen der Kathedralen von Bayeux, Angers usw., und Gemälden aus der Renaissance
kennen.
Was man anstrebte, waren angenehm zu reitende Pferde, die ihre Aufgabe - das
Überwinden von großen Distanzen und schwierigen Wegen - optimal bewältigten. In jener
Zeit bezahlten irische und englische Adelige Unsummen in damaliger Währung für spanische
Tieldones. Trabgehende Pferde waren dannzumal Arbeitspferde, verhältnismäßig
billig in
der Anschaffung und ungeeignet zum Reisen, da der Trab nur ausgesessen, im Spaltsitz,
geritten wurde.
Als Kolumbus vor 500 Jahren zu seiner zweiten Reise aufbrach, hatte er, laut
Berichten, nicht die edelsten Tölter bei sich (20 Hengste und 5 Stuten), aber die
robustesten und offenbar auch ponyähnlichsten, die er mit den ihm zur Verfügung
stehenden Mittel auftreiben konnte. Die Kolumbus nachfolgenden Abenteurer und Kolonisten
brachten weitere Passgänger mit nach Übersee und legten den Grundstein für die
zahlreichen Gangpferderassen von Süd- und Nordamerika, die wir heutzutage kennen.
Wieder waren es die spanischen Tieldones, welche ihre Herren durch die Weiten
der neu entdeckten Kontinente trugen. Unbeeinflusst von den Anforderungen des höfischen
Reitens und dem darum herum entstandenen "Firlefanz", züchteten die Kolonisten
die Pferde, die sie für Arbeit und Krieg brauchten, und entwickelten so ihre eigene
Reitkultur, ihre eigenen Töltrassen, Sattlungen, Zäumungen und Ausbildungsmethoden.
Eingebracht wurde auch trockenes, mediterranes Flair für Stil, Eleganz und Prestige.
Doch wie entwickelten sich die Zelter nun hier im alten Europa? Bis ins 18.
Jahrhundert hinein erfreuten sie sich großer Beliebtheit, um anschließend ziemlich
schnell aus den Ställen zu verschwinden. Was mögen die Gründe dafür sein, dass die
jahrhundertlang so geschätzten Zelter in die Randgebiete der damaligen Zivilisation
abgeschoben wurden, sich dort weiterentwickelten als Arbeits- und Reisepferde, aber ihre
Bedeutung im kontinentalen Europa verloren hatten? Antworten gibt auf diese Fragen
indirekt ein Aufsatz des bekannten Hippologen, Michel Henriquet, "A la recherche de
l'école de Versailles", gegründet von Louis XIII, 1614, welche bis zur
französischen Revolution bestand. Henriquet lieferte Zahlenmaterial über den Aufwand,
mit welchem an den Höfen, in diesem Fall am französischen Hof, das Reiten und das
Schulreiten als der beliebteste Sport der Noblesse betrieben wurden. Unter all den
Tausenden von Leuten, die in den königlichen Ställen und in der Reitschule arbeiteten,
und zirka 4500 fast ausschließlich iberische Pferde betreuten und beritten, gab es immer
nur einen "écuyer ambleur et ses palfreniers" (Bereiter von Zeltern und seine
Pferdepfleger und Helfer). Das zeigt deutlich, dass das Reiten der Hohen Schule, von
Adeligen, d.h. von Offizieren betrieben, den Zelter, welcher da am Ende seiner
gangmäßigen Möglichkeiten ankommt, ins Abseits drängte. Aus jener Epoche wird auch in
der deutschen hippologischen Literatur oft vom schulmäßigen Passgang berichtet, um
Pferde vorzubereiten für den Gebrauch von noblen Damen, die ihre Kavaliere zur Jagd
begleiteten. Die adligen Schulreiter interessierten sich aber nur noch am Rande für die
Zelter.
Inzwischen hatte man begonnen Strassen zu bauen, bald fuhren die ersten
Postkutschen; der Reisende war nicht mehr unbedingt aufs Reitpferd angewiesen, und die
Nachfrage nach Reisepferden nahm ab. Dazu kamen die militärischen Anforderungen und das
damit verbundene Exerzieren und Formationen reiten; außerdem waren Zelter für die
berittenen Truppen viel zu teuer. Die Reittechnik änderte sich, man begann
"englisch" zu traben, und so wurde es annehmbar einen "boneshaker",
(bzw. "tapecul") zu reiten.
Im 19. Jahrhundert dann verschwand in Westeuropa der Zelter fast gänzlich; der
Gang wurde als unrein und krankhaft bezeichnet und nach den einst so hoch gepriesenen
Tieldones bestand keine Nachfrage mehr. Interessant ist dabei festzustellen, dass auch bei
den Trabpferden, welche für das höfische Reiten benutzt wurden, wieder iberische Pferde
die begehrtesten waren, aufgrund ihres natürlichen Talents für die Übungen der Hohen
Schule. Trotz der Ungnade, in welche die Zelter in Westeuropa gefallen waren und sie in
Vergessenheit geraten ließ, lebten sie weiter - in Island, Süd- und Nordamerika, China,
der Mongolei, Indien, Russland und so weiter. Führende Hippologen stellten fest, dass
noch heute siebzig Prozent der Equiden auf der Welt Lateralgänger, d.h. Passgänger sind,
und damit die Voraussetzungen für den gebrochenen Passgang, den Zelt oder
Tölt,
besitzen.
Entgegen der landläufigen Meinung ist neben Schritt, Trab, Galopp auch der
Passgang eine Grundgangart der Equiden. Was man dabei zuwenig beachtet, ist, dass der
Passgang bei weitem die variabelste Gangart des Pferdes ist. Man kann sich das leicht
vorstellen, wenn man auf der einen Seite den enormen Raumgriff und die Schnelligkeit eines
amerikanischen "Standardbreds" vor dem Sulky betrachtet, andererseits den Tölt
in höchster Versammlung, d.h. dem"Classic Fino" des Kolumbianischen Paso Finos.
Dazwischen gibt es nun jegliche Geschwindigkeit und jegliche Ausführung des Tölts, wie
immer er auch heiße und in welcher Variante des Viertakts er geritten wird. Daraus
dürfte auch klar werden, dass es nie einfach war, Zelter auszubilden.
Die Renaissance der Zelter in
Kontinental-Europa
Es sollte zwei Jahrhunderte dauern, bis die ersten Passgänger, die Isländer,
Ende der fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts offiziell auf unseren Kontinent
zurückkehrten. Was in der Folge passierte, kennen viele von Ihnen, und man kann das
Geschehen in allen Details in der beeindruckenden Zusammenfassung von Ursula Bruns in
"Gangpferde, die Geschichte ihrer Wiederentdeckung auf dem Kontinent",
nachlesen.
Tatsache ist, dass sich in den letzten 40 Jahren das Interesse an Töltern
stark entwickelt hat und die Zahl der Töltbegeisterten von Jahr zu Jahr steigt. Wenn
damals jemand behauptet hätte, es würden innerhalb von vier Jahrzehnten mehr als 50'000
Isländer allein in Westdeutschland stehen, wäre er ausgelacht worden. Gerade diese Rasse
hat in den letzten 40 Jahren durch einzelne Züchter und durch die Zuchtorganisation der
IPVZ große Zuchtfortschritte gemacht. Die heutigen, gut gezogenen und ausgebildeten
Isländer haben, so scheint mir, nur noch wenig Gemeinsames mit den "Knorrigen
Burschen", die wir vor 40 Jahren aus Island bekamen, mit denen wir uns, wo gut es
eben ging, zusammenrauften und auf denen wir zum ersten Mal den Tölt, den gebrochenen
Passgang, fühlen konnten. Ein Erfühlen, das dann in der Folge auf der Suche nach dem
Tölt so viele Entwicklungen auslöste. Den Zuchtfortschritt in der Reinzucht der
Islandpferde erreichten die Züchter in Deutschland durch harte Selektion. Nachdem der
Wert eines Tölters auf dem Kontinent manifest geworden war, schlossen sich diesen
Bemühungen auch die Isländer selbst an.
Die nächsten zwei Rassen, welche 1973 auf den europäischen Kontinent kamen,
waren Peruanische Pasos und Kolumbianische Paso Finos und Kreuzungsprodukte dieser beiden
Rassen. Beide Rassen haben einen absolut genetisch fixierten Tölt, welcher sich zwar in
der Kadenz unterscheidet und leicht differierende Ausbildungsmethoden haben. In der Folge
nun wurde die Töltveranlagung der Traber entdeckt. Die ersten brasilianischen Mangalarga
Marchadores wurden nach Deutschland importiert.
Kurz darauf erschienen zwei alte amerikanische Rassen, das Tennessee Walking
Horse und als letztes das American Saddlebred. Die letzteren waren aus den Bedürfnissen
der Plantagenbesitzer im Süden der Vereinigten Staaten und der konföderierten Armee
entstanden und haben sich zu konsolidierten Rassen mit geschlossenen Stutbüchern
entwickelt.
Zwischenzeitlich hörten wir von russischen Töltern. Einzelne Exemplare waren
bereits zu sehen, und in jüngster Zeit berichteten Freunde von Töltenden Kashmiris,
ausgesprochen schönen chinesischen Töltern und drei verschiedenen töltenden
Pferdentypen in der Mongolei. Ihr Status ist der von Gebrauchspferden, und sie nehmen noch
die gleiche Stellung ein wie ihre Artgenossen vor 250 Jahren in Europa.
Aloys C. Tschümperlin
erschienen in 3/93 Pegasus Pferdemagazin
So oft tauchen Fragen in unseren Köpfen
auf - wir stehen mit unserem Paso an einem Punkt, an dem wir
Unterstützung brauchen. Sei es durch praktische Ratschläge, Bücher oder
Gespräche. Vielfach wird der peruanischen Reitweise vorgeworfen, dass sie
zuwenig Dokumentation, zuwenig "Greifbares" vorliegen hat. Man
kann nicht irgendeine beliebige Pferdezeitschrift aufschlagen und dort die
treffende Anleitung für unseren Paso Peruano finden.
Weil auch ich an diesem Punkt stand,
möchte ich hier erklären, was mir geholfen hat, Antworten auf meine
Fragen zu finden:
Der Anfang und das Ende dessen was ich
gefunden habe, wurzelt in der Tradition. Tradition, weil sie uns als
Wegweiser dient:
sie gibt uns die Hilfsmittel:
- Bozal
- peruanische Stange
- die schweren Zügel,
- Sattel mit 4-Punkt-Einwirkung,
- schwere Steigbügel, Guarniciòn
sie gibt uns die Figuren:
- Doubling
- Zirkel
- Achten
- Schnecken
- gehen auf zwei Zirkeln
(nicht zu vergessen, die peruanische Dressur,
und sie gibt uns vor allem das
angestrebte Ziel:
Man braucht nur die strahlenden
Augen eines Peruaners oder eines jeden echten Aficionados anzusehen,
wenn er von einem "Caballo de Paso Peruano" redet;
Ausstrahlung, Noblesse, Brio, Paso Llano, Weichheit ... man kommt ins
Schwärmen!
Dieses Ziel hilft uns immer das Bild des
idealen, perfekten Pasos vor Augen zu haben; so wie es uns die Tradition
überliefert hat. Zuoft wird die Tradition auf den Poncho und den Strohhut
reduziert. Auch das gehört dazu, natürlich, aber sie ist auch Quelle
viel tieferer Bedeutung.
Der peruanischen Überlieferung zu
folgen, insbesondere wenn sie eine sinn- und nutzvolle Anleitung
beinhaltet, ist für uns in Europa von großem Wert! Wir möchten doch das
Pferd, das uns in seinem Ursprung so fasziniert hat, nicht anpassen, nicht
homogenisieren. Es soll sein "Besonderes", seine Exotik
behalten. Natürlich müssen wir nicht alles stur vom Ursprungsland
übernehmen; gewisse Details können wir auch verbessern und verfeinern.
Aber immer mit dem Endziel vor Augen und der gegebenen Grundstruktur.
Peruanische Tradition; leider viel zu
oft nur mündliche Überlieferung. Auch ich konnte sie nur durch lange
Gespräche mit peruanischen Züchtern und Trainern wirklich fassbar
machen. Je mehr ich jedoch darüber erfuhr, desto mehr verstand ich, dass
man die Wurzeln dieser Tradition in den Büchern der altklassischen
Lehrmeister findet. Hier finden wir die Literatur, die uns auf die Fragen
mit unserem Paso reelle Antworten, Philosophie und Hilfe geben kann. Immer
wieder möchte ich darauf hinweisen, wie ähnlich doch die Ziele der
altklassischen Reitweise mit der unseren sind. Es sind zwei Welten die
sich verschieden entwickelt haben, sich jedoch in Grundstruktur und
Philosophie unverkennbar nahe sind.
Ich für meine Person habe Vertrauen in
diese zwei Welten, in die peruanische Tradition und ihre
Ausbildungsmethode und in ihre ältere Schwester, die altklassische
Reitweise. Ich bin mir sicher, dass sie immer eine Antwort auf meine
Fragen bereit haben, um meinem Ziel, dem wundervollen PERUANISCHEN PASO
gerecht zu werden, näher zu kommen.
Carla Tschümperlin
6.2.1995
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